In unserem KI-Überblick wählen wir jeden Monat einige Entwicklungen aus, die die Arbeit von Unternehmen direkt betreffen, und ordnen sie ein. Diese Ausgabe umfasst den Zeitraum vom 1. September bis zum 3. Oktober 2026. Preise und Termine stammen aus den Ankündigungen der Anbieter; alle Quellen stehen am Ende des Artikels.

Modellpreise sinken, ältere Modelle werden abgeschaltet
OpenAI hat im September die GPT-6-Familie vorgestellt. Das leistungsstärkste Modell, GPT-6 Astra, kostet in der API 10 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 50 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token. Das am Monatsende erschienene GPT-6.1 Sol bietet laut OpenAI eine Leistung nahe am Niveau von Astra zu einem Fünftel des Preises (2 und 10 US-Dollar); das für Aufgaben mit hohem Volumen positionierte GPT-6 Luna kostet 0,10 und 0,50 US-Dollar. Anthropics Modell Claude Opus 5.5 sank auf 4 und 20 US-Dollar; laut dem Unternehmen ist es bei typischen Arbeitslasten rund 40 Prozent günstiger als Opus 5. Googles Gemini 3.8 Flash kostet bis zum 31. Dezember 0,75 und 3,75 US-Dollar; ab dem 1. Januar 2027 verdoppelt sich der Preis.
Was das bedeutet: Bei Aufgaben wie dem Zusammenfassen von Dokumenten, der Informationsextraktion oder der Verarbeitung von ERP-Daten sind die Stückkosten deutlich gesunken. Achten Sie bei der Budgetplanung auf zwei Punkte: auf das Enddatum von Einführungspreisen und auf die Abschaltung älterer Modelle. So wird Claude Sonnet 4.5 am 30. November 2026 aus der Claude-API entfernt; Anwendungen, die dieses Modell nutzen, müssen vorher auf ein neueres Modell umgestellt und an einige API-Änderungen angepasst werden.
Microsoft Copilot: Abrechnung nach Nutzung
Microsoft hat am 25. September das Preismodell von Copilot geändert. Die alltägliche KI-Nutzung bleibt in der Lizenz pro Benutzer enthalten; lang laufende Agenten, Programmierwerkzeuge und die leistungsstärksten Modelle wechseln dagegen zur nutzungsbasierten Abrechnung (Copilot Credits). Bei Unternehmenskunden bleiben diese Dienste deaktiviert und werden nicht abgerechnet, bis ein Administrator im Microsoft 365 Admin Center eine Ausgabenrichtlinie anlegt.
Was das bedeutet: In Unternehmen, die Copilot nutzen, sollten IT und Finanzen die in der Lizenz enthaltene Nutzung und die gemessene Nutzung getrennt budgetieren. Dass die Dienste standardmäßig deaktiviert sind, verhindert Überraschungen auf der Rechnung; vor dem Aktivieren ist es gute Praxis, Budgets und Warnungen pro Mandant und Gruppe festzulegen.
KI-Agenten in SAP: bis Ende Oktober kostenlos testen
SAP und NVIDIA haben am 28. September ihre Zusammenarbeit vertieft, damit KI-Agenten nachvollziehbar arbeiten. Die Laufzeitumgebung von Joule Studio entscheidet anhand von Geschäftsberechtigungen, Rollenrichtlinien und Prozesskontext, ob ein Agent eine Aktion ausführen darf; das Open-Source-Werkzeug OpenShell begrenzt, was der Agent sehen und tun kann. Laut SAP ist die Joule Studio Runtime für SAP-Kunden und -Partner bis Ende Oktober 2026 kostenlos.
Was das bedeutet: Für Unternehmen mit SAP ist dieses Zeitfenster eine gute Gelegenheit, einen Agenten in einem einzelnen Prozess wie der Bestellfreigabe oder dem Rechnungsabgleich zu testen. Zugleich zeigt sich hier deutlich die Voraussetzung für Agenten im ERP: Berechtigungen und die Protokollierung jeder Aktion. Nach demselben Prinzip arbeiten wir in unseren Projekten zur ERP-Integration.
Türkei: Regulierungsfahrplan 2027 und eine KI-Warnung der Datenschutzbehörde
Das am 6. September im türkischen Amtsblatt veröffentlichte Mittelfristige Programm (2027–2029) sieht für das erste Quartal 2027 den Aufbau eines nationalen Rechtsrahmens für KI im Einklang mit der EU vor und für das dritte Quartal 2027 den Abschluss der Angleichung des türkischen Datenschutzgesetzes KVKK an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU. Der KI-Punkt ist im Programm als Regelung auf Verwaltungsebene ausgewiesen, nicht als Gesetz.
Die türkische Datenschutzbehörde veröffentlichte zudem am 22. September einen Praxisleitfaden für Rechtsanwälte. Er nennt ChatGPT, Claude und Gemini ausdrücklich und hält fest, dass das Hochladen von Dateien mit personenbezogenen Daten in diese Werkzeuge als Übermittlung ins Ausland gelten kann, wenn der Anbieter oder seine Server im Ausland sind; empfohlen werden Maßnahmen wie Maskierung, möglichst sparsame Datenweitergabe und der Verzicht auf das Hochladen besonderer Kategorien personenbezogener Daten.
Was das bedeutet: Der Leitfaden richtet sich an Anwälte, doch auch der allgemeine Leitfaden der Behörde zu generativer KI hält fest, dass Artikel 9 des KVKK einzuhalten ist, wenn personenbezogene Daten über einen Dienst im Ausland übermittelt werden. Das Thema betrifft also jedes Unternehmen, das Daten von Kunden oder Mitarbeitenden in KI-Werkzeuge hochlädt. Falls Sie noch keine KI-Nutzungsrichtlinie haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine zu schreiben. Ausführlich behandeln wir das Thema in unserem Artikel über interne KI-Assistenten und das KVKK.
Agentensicherheit: Auch ein hilfsbereiter Agent kann Daten preisgeben
Laut einer am 29. September veröffentlichten Untersuchung von Glow Labs haben Programmieragenten bei mehr als 300 Organisationen über 13.000 interne Screenshots in mehr als 900 öffentliche GitHub-Repositorys hochgeladen; die Screenshots zeigen unter anderem Rechnungsdaten und unveröffentlichte Funktionen. Ursache war keine böse Absicht: Der Kommandozeilen-Agent kam zu dem Schluss, die Bilder irgendwo hosten zu müssen, und legte ein öffentliches Repository an. Im selben Zeitraum gab die niederländische Meldestelle für Sicherheitslücken DIVD bekannt, dass sie kompromittiert wurde: Der Angriff nutzte zwei Zero-Day-Lücken in der Helpdesk-Software Zammad aus und war nach Einschätzung von DIVD das Werk eines KI-Agenten. Große KI-Unternehmen meldeten außerdem Vorfälle, bei denen ihre Modelle während Evaluierung und Training unbefugt auf Systeme Dritter zugegriffen hatten.
Was das bedeutet: Eine kurze Checkliste für Software- und IT-Teams, die Agenten einsetzen: Geben Sie dem Agenten nur die nötigsten Rechte, schalten Sie den unbeaufsichtigten Betrieb ab, verhindern Sie, dass über persönliche Konten öffentliche Repositorys angelegt werden, und protokollieren Sie die Aktivitäten. Wenn Sie Zammad nutzen, folgen Sie der Empfehlung von DIVD und aktualisieren Sie auf Version 7 oder schalten Sie das System ab. In unseren Projekten zur Cybersicherheit behandeln wir diese Kontrollen bereits bei der Einrichtung.
Die Hälfte der Unternehmen in der Türkei nutzt KI regelmäßig
Laut einer am 24. September vorgestellten Studie von Strand Partners im Auftrag von AWS ist der Anteil der Unternehmen in der Türkei, die KI regelmäßig nutzen, innerhalb eines Jahres von 37 auf 51 Prozent gestiegen. Am höchsten ist die Nutzung bei Finanzdienstleistern (74 Prozent) sowie in Medien und Unterhaltung (66 Prozent); in der Fertigung liegt sie bei 54 Prozent. Allerdings sehen sich nur 19 Prozent der Unternehmen für KI der nächsten Generation wie Agenten gerüstet. Die größten Hürden sind fehlende digitale Kompetenzen (54 Prozent) und unzureichende interne Finanzmittel (51 Prozent); 57 Prozent der Unternehmen geben zudem an, nur schwer qualifizierte Fachkräfte zu finden.
Was das bedeutet: Die Zahlen beruhen auf einer von AWS unterstützten Online-Umfrage unter 1.000 Führungskräften und ersetzen keine amtliche Statistik. Die Richtung ist aber klar: Die Nutzung verbreitet sich, die eigentliche Herausforderung liegt in der Skalierung und in der Vorbereitung der Teams.
Anstehende Termine
| Datum | Was passiert |
|---|---|
| Ende Oktober | Die kostenlose Phase der SAP Joule Studio Runtime endet |
| 30. November 2026 | Claude Sonnet 4.5 wird aus der Claude-API entfernt |
| 2. Dezember 2026 | Neue Verbote der KI-Verordnung der EU gelten; die Frist, die bereits auf dem Markt befindlichen generativen Systemen für die Kennzeichnung ihrer Ausgaben eingeräumt wurde, läuft ab (betrifft Unternehmen, die in der EU Produkte oder Dienstleistungen anbieten) |
| 31. Dezember 2026 | Letzter Antragstag für das KI-Kreditprogramm der türkischen Mittelstandsbehörde KOSGEB (für Unternehmen mit dem Teknogirişim-Abzeichen für Technologie-Start-ups) |
| 1. Januar 2027 | Der API-Preis von Gemini 3.8 Flash verdoppelt sich |
Was ist diesen Monat zu tun?
- Prüfen Sie die Preise und Abschalttermine der KI-Modelle, die Sie nutzen.
- Wenn Sie Copilot mit einer Unternehmenslizenz nutzen, legen Sie Ausgabenrichtlinie und Budgetgrenzen fest.
- Wenn Sie SAP nutzen, testen Sie bis Ende Oktober in Joule Studio einen Agenten in einem einzelnen Prozess.
- Schreiben oder aktualisieren Sie Ihre KI-Nutzungsrichtlinie: welche Werkzeuge, welche Daten, wer genehmigt.
- Schränken Sie die Rechte von Programmieragenten ein; wenn Sie Zammad nutzen, aktualisieren Sie es.
Wenn Sie bei einem dieser Schritte Unterstützung brauchen, werfen Sie einen Blick auf unsere KI-Lösungen oder schreiben Sie uns.
Quellen
- OpenAI: GPT-6 Astra, GPT-6 Sol und Luna, GPT-6.1 Sol
- Anthropic: Claude Opus 5.5 und Claude-Versionshinweise
- Google: Preise der Gemini-API
- Microsoft: Änderung des Copilot-Preismodells
- SAP: SAP und NVIDIA zu nachvollziehbaren KI-Agenten
- Türkisches Amtsblatt: Mittelfristiges Programm (2027–2029) (auf Türkisch)
- KVKK: Praxisleitfaden zum Schutz personenbezogener Daten in der anwaltlichen Tätigkeit (auf Türkisch)
- Glow: Wie KI-Agenten Entwickler-Screenshots offenlegten
- DIVD: Falldatei zu Zammad
- Anthropic: Cybersicherheitsvorfälle bei Evaluierungen
- Webrazzi: Studie von AWS und Strand Partners zur Türkei (auf Türkisch)
- Zeitplan für die Umsetzung der KI-Verordnung der EU
- KOSGEB: KI-Kreditprogramm (auf Türkisch)