In unserem KI-Überblick wählen wir jeden Monat einige Entwicklungen aus, die die Arbeit von Unternehmen direkt betreffen, und ordnen sie ein. Diese Ausgabe umfasst den Zeitraum vom 4. Oktober bis zum 4. November 2026; dazu kommen Daten des türkischen Statistikamts TÜİK vom 2. Oktober, die wir in der vorigen Ausgabe nicht berücksichtigt hatten. Preise und Termine stammen aus den Ankündigungen der Anbieter; alle Quellen stehen am Ende des Artikels.

Preise: eine neue mittlere Stufe, auslaufende Einführungspreise
Google hat am 13. Oktober Gemini 4 Argon allgemein verfügbar gemacht und nennt es sein leistungsfähigstes Modell. Der Preis von 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token gilt bis zum 30. November; ab dem 1. Dezember sind es 4 und 20 US-Dollar. In der kostenlosen Stufe ist das Modell nicht verfügbar. OpenAI hat am 26. Oktober GPT-6.1 Terra veröffentlicht, ein schnelles, günstiges Modell für visuelles Schlussfolgern, Computersteuerung und Texte: 1 US-Dollar für die Eingabe, 5 US-Dollar für die Ausgabe. Damit gibt es eine neue Preisstufe zwischen GPT-6 Luna und GPT-6.1 Sol. Anthropic hat am 7. Oktober Claude Haiku 5.5 für Aufgaben mit hohem Volumen veröffentlicht (Kontextfenster von 1 Million Token); am selben Tag sank bei Claude Sonnet 5.5 der Preis für Cache-Lesezugriffe von 0,20 auf 0,10 US-Dollar pro Million Token.
Was das bedeutet: Zum Einführungspreis zu testen ist günstig, aber planen Sie das Budget für den Produktivbetrieb mit dem regulären Preis: Bei Gemini 4 Argon verdoppelt sich der Preis am 1. Dezember, bei Gemini 3.8 Flash am 1. Januar. Mittlere Stufen wie Terra erleichtern es, Aufgaben aufzuteilen, statt für alles das teuerste Modell zu nutzen: ein günstiges Modell zum Lesen und Klassifizieren von Dokumenten, ein starkes für schwierige Schlussfolgerungen.
Modellwechsel: Anfragen an Gemini 2.5 werden im Dezember umgeleitet
Google hat am 2. November Gemini 2.5 Pro und Gemini 2.5 Flash abgekündigt; beide lassen sich in AI Studio nicht mehr auswählen. Ab dem 1. Dezember werden API-Anfragen an Gemini 2.5 Pro an Gemini 3.8 Flash umgeleitet und Anfragen an Gemini 2.5 Flash an Gemini 3.5 Flash-Lite, abgerechnet zum Preis des neuen Modells. Googles Versionshinweise nennen nicht abwärtskompatible Änderungen bei den Denkeinstellungen, beim Funktionsaufruf und bei einigen Sampling-Parametern.
Bei Anthropic fallen am 30. November zwei Termine zusammen: Claude Sonnet 4.5 wird aus der Claude-API entfernt (wie im vorigen Monat berichtet), und der Schnellmodus von Claude Opus 4.8 entfällt; danach liefern Anfragen im Schnellmodus einen Fehler. Am 21. Oktober hat Anthropic außerdem eine neue API-Version (2026-10-21) und neue Hauptversionen seiner SDKs veröffentlicht, die diese Version standardmäßig verwenden.
Was das bedeutet: Anwendungen, in denen der Name eines Gemini-2.5-Modells fest eingetragen ist, wechseln am 1. Dezember stillschweigend auf ein anderes Modell; Ausgaben, Verhalten und Kosten können sich ändern. Listen Sie die genutzten Modellnamen und SDK-Versionen auf, testen Sie den Wechsel in einer Testumgebung und tragen Sie die Stichtage in Ihren Kalender ein.
Microsoft 365 Copilot Business: Abrechnung nach Nutzung wird Standard
Laut Microsofts Oktober-Mitteilung für Partner (Cloud Solution Provider, CSP) ist bei neu gekauften Lizenzen für Microsoft 365 Copilot Business ab dem 1. Dezember 2026 die nutzungsbasierte Abrechnung standardmäßig aktiviert; zuvor war der 2. November angekündigt. Das Standard-Ausgabenlimit beträgt 4.000 Copilot Credits pro Nutzer und Monat und lässt sich von Administratoren ändern: In Microsofts Beispiel kann ein Unternehmen mit 100 Nutzern mit dem Standardlimit bis zu 400.000 Credits im Monat verbrauchen. Bis zum 31. Dezember gibt es im CSP-Kanal 25 Prozent Rabatt auf das Paket aus Business Basic und Copilot Business und 15 Prozent auf Copilot Business einzeln (1–300 Nutzer, Jahresabonnement).
Was das bedeutet: So kommt das Pay-as-you-go-Modell, über das wir im vorigen Monat berichtet haben, bei kleinen und mittleren Unternehmen an. Wenn Sie Copilot Business kaufen wollen, legen Sie das Ausgabenlimit und die aktivierten Funktionen vor dem Kauf fest. Die Mitteilung richtet sich an Partner; wenn Sie direkt bei Microsoft kaufen, lassen Sie sich die Bedingungen gesondert bestätigen.
SAP TechEd: Agenten in Joule und eine verlängerte kostenlose Phase
SAP hat am 27. Oktober auf der TechEd angekündigt, dass Joule Work mehrstufige Arbeitsabläufe und einen um kundenspezifische Daten angereicherten Wissensgraphen erhält. Agenten von Drittanbietern sollen Joule-Agenten über ein zugriffsgesteuertes Gateway (mit den Protokollen A2A und MCP) aufrufen können. In Joule Studio stehen mehr als 70 KI-Modelle zur Auswahl; Administratoransichten zeigen die Aktivität der Agenten, die Modellnutzung und die Kosten.
Für die Joule-Studio-Laufzeitumgebung, die wir im vorigen Monat als „bis Ende Oktober kostenlos“ beschrieben haben, hat SAP eine neue Aktion angekündigt: Der Betrieb eigener Agenten in der von SAP verwalteten Joule-Studio-Laufzeitumgebung bleibt für ausgewählte Kunden bis Ende Dezember 2026 kostenlos. Die Werkzeuge zum Erstellen von Agenten und Workflows bleiben im Rahmen einer Fair-Use-Grenze kostenlos. Preise für die Zeit danach wurden nicht genannt.
Was das bedeutet: Lassen Sie sich von Ihrem SAP-Ansprechpartner schriftlich bestätigen, ob Sie die kostenlose Phase nutzen können, und binden Sie Agenten nicht in kritische Prozesse ein, solange die Preise unbekannt sind. Ein Test in einem einzelnen Prozess wie der Bestellfreigabe oder dem Rechnungsabgleich, mit von Anfang an eingerichteten Berechtigungen und Protokollen, bleibt der beste Einstieg. In dieser Reihenfolge arbeiten wir auch in unseren Projekten zur ERP-Integration.
Daten und Datenschutz: Standardspeicherung bei Gemini, türkischer Grundsatzbeschluss zur Kontrolle der Mitarbeiterkommunikation
Seit dem 26. Oktober speichert Google in neuen Projekten der kostenpflichtigen Stufe Anfragen an die Generate Content API standardmäßig (store=true). Bestehende Projekte behalten ihre Einstellung. Die Speicherung lässt sich abschalten, indem man store=false mit der Anfrage sendet oder sie in den Einstellungen des Bereichs Logs and Datasets deaktiviert; eine Speicherdauer nennt der Versionshinweis nicht.
Am 8. Oktober hat das türkische Amtsblatt einen Grundsatzbeschluss des Datenschutzrats (Kurul) der Datenschutzbehörde KVKK veröffentlicht, in dem es um die Kontrolle dienstlicher Kommunikationskanäle durch Arbeitgeber geht, allen voran um die dienstliche E-Mail. Der Beschluss erfasst neben E-Mail auch interne Messenger, Kunden- und Ticketsysteme sowie Chat- und Aufzeichnungsbereiche von Meeting-Plattformen. Nach Auffassung der Behörde ist schon die Verarbeitung reiner Verkehrs- und Protokolldaten ohne Blick auf den Inhalt eine Verarbeitung personenbezogener Daten; Beschäftigte müssen vorab durch eine konkrete Information über Zweck, Umfang und Speicherdauer der Kontrolle unterrichtet werden. Die ausdrückliche Einwilligung soll in der Regel nicht die vorrangige Rechtsgrundlage sein, und Inhalte sollen nur bei einem konkreten Verdacht und nur begrenzt auf den Gegenstand dieses Verdachts geprüft werden. Eine heimliche Überwachung, die ohne Wissen der Beschäftigten unterschiedslos alles aufzeichnet, gilt nach dem Beschluss als rechtswidrig. Zu den Grundsätzen des Beschlusses gehören außerdem ein abgestuftes Vorgehen (reicht ein milderes Mittel aus, ist kein eingriffsintensiveres zulässig) und ein Zugriff auf die Daten nur durch befugtes Personal, wobei jeder Zugriff protokolliert wird.
Was das bedeutet: Beide Entwicklungen führen zur selben Frage: Wo liegen unsere Daten, und wer sieht sie ein? Wenn Sie ein neues Projekt in der Gemini API anlegen, wählen Sie die Speichereinstellung bewusst. Wenn Sie für Beschäftigte in der Türkei KI- oder Data-Loss-Prevention-Werkzeuge einsetzen, die E-Mails, Nachrichten oder Meeting-Aufzeichnungen auswerten, sollten die Grundsätze des Beschlusses zu Information, Abstufung und Zugriffsprotokollen schon in die Einrichtung einfließen. KI wird im Beschluss nicht ausdrücklich genannt, aber er zählt Bereiche wie Meeting-Aufzeichnungen auf, die solche Werkzeuge verarbeiten. Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Information (Stand: 4. November 2026) und keine Rechtsberatung. Den Aspekt der KI-Assistenten haben wir in unserem Artikel über interne KI-Assistenten und das KVKK behandelt.
TÜİK: 14 Prozent der türkischen Unternehmen nutzen KI
Laut den am 2. Oktober veröffentlichten KI-Statistiken 2026 des TÜİK stieg der Anteil der Unternehmen mit 10 und mehr Beschäftigten, die mindestens eine KI-Technologie nutzen, binnen eines Jahres von 7,5 auf 14 Prozent; 2021 lag er bei 2,7 Prozent. Bei Unternehmen mit 10–49 Beschäftigten sind es 12,8 Prozent, bei Unternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten 37,1 Prozent. Unternehmen, die KI erwägen, aber noch nicht damit begonnen haben, nennen als größtes Hindernis fehlende Fachkenntnisse (72,3 Prozent), gefolgt von rechtlichen Unsicherheiten (66,4 Prozent). Auch der Anteil der Personen, die generative KI nutzen, stieg von 19,2 auf 37,6 Prozent.
Was das bedeutet: Die Umfrage im Auftrag von AWS, die wir im vorigen Monat vorgestellt haben, kam zu dem Ergebnis, dass die Hälfte der türkischen Unternehmen KI regelmäßig nutzt. Die amtlichen TÜİK-Daten relativieren das Bild: Mehr als ein Drittel der großen Unternehmen nutzt KI, die meisten kleinen und mittleren Unternehmen haben aber noch nicht begonnen. Deutlich wird auch, dass das Hindernis nicht die Technik ist, sondern das Fachwissen. Am realistischsten ist es, mit einem kleinen, messbaren Prozess zu beginnen und das Team an diesem Prozess zu schulen.
Kurz notiert
- OpenAI: Berechtigte Abonnenten von ChatGPT Pro und Business können bis zu 500 US-Dollar kostenloses API-Guthaben pro Monat erhalten (28. Oktober); in der Responses API gibt es einen 12-Stunden-Prompt-Cache (20. Oktober); die Decisions API für Klassifizierung und Informationsextraktion in großen Mengen ist allgemein verfügbar (22. Oktober).
- Anthropic: Seit dem 3. November tragen Texte von Claude Mythos 5, Claude Opus 4.7 und Claude Sonnet 4.6 Anthropics Textwasserzeichen.
- Logo Yazılım: Laut einem Bericht von Gazete Oksijen vom 6. Oktober hat der türkische ERP-Anbieter überarbeitete Versionen von Logo Cloud und Logo Edge vorgestellt. Logo Cloud enthält einen KI-gestützten „digitalen Berater“, der Fragen in natürlicher Sprache mit den Daten des Unternehmens beantwortet; bei Logo Edge wird die Lizenzierung auf benannte Nutzer (Named User) umgestellt.
Anstehende Termine
| Datum | Was passiert |
|---|---|
| 30. November 2026 | Claude Sonnet 4.5 wird aus der Claude-API entfernt; der Schnellmodus von Claude Opus 4.8 entfällt; der Einführungspreis von Gemini 4 Argon endet |
| 1. Dezember 2026 | Anfragen an Gemini 2.5 Pro und Flash werden an neuere Modelle umgeleitet und zu deren Preisen abgerechnet; bei neuen Copilot-Business-Lizenzen ist die nutzungsbasierte Abrechnung Standard |
| 2. Dezember 2026 | Neue Verbote der KI-Verordnung der EU gelten; die Frist, die bereits auf dem Markt befindlichen generativen Systemen für die Kennzeichnung ihrer Ausgaben eingeräumt wurde, läuft ab (betrifft Unternehmen, die in der EU Produkte oder Dienstleistungen anbieten) |
| 31. Dezember 2026 | Die kostenlose Phase der Joule-Studio-Laufzeitumgebung für ausgewählte SAP-Kunden endet; Microsofts Copilot-Business-Aktionen im CSP-Kanal enden; letzter Antragstag für das KI-Kreditprogramm der türkischen Mittelstandsbehörde KOSGEB (für Unternehmen mit dem Teknogirişim-Abzeichen für Technologie-Start-ups) |
| 1. Januar 2027 | Der API-Preis von Gemini 3.8 Flash verdoppelt sich |
| 26. Februar 2027 | OpenAI schaltet die Spracherkennungsmodelle whisper-1 und gpt-4o-transcribe ab |
Was ist diesen Monat zu tun?
- Listen Sie die von Ihnen genutzten Modellnamen und SDK-Versionen sowie die zugehörigen Stichtage auf; wenn Sie Gemini 2.5 oder Claude Sonnet 4.5 nutzen, testen Sie den Wechsel noch im November.
- Rechnen Sie das Budget für Modelle, mit denen Sie zum Einführungspreis gestartet sind, mit dem regulären Preis neu.
- Wenn Sie Copilot Business kaufen wollen, legen Sie das Ausgabenlimit vor dem Kauf fest.
- Wenn Sie SAP nutzen, lassen Sie sich schriftlich bestätigen, ob Sie die kostenlose Phase von Joule Studio nutzen können.
- Prüfen Sie die Speichereinstellung neuer Projekte in der Gemini API; für Werkzeuge, die E-Mails, Nachrichten oder Meeting-Aufzeichnungen von Beschäftigten in der Türkei verarbeiten, gleichen Sie Ihre Datenschutzinformation für Beschäftigte mit dem KVKK-Grundsatzbeschluss ab.
Wenn Sie bei einem dieser Schritte Unterstützung brauchen, sehen Sie sich unsere KI-Lösungen an oder schreiben Sie uns.
Quellen
- Google: Versionshinweise zur Gemini API, Preise und Abkündigungen (Englisch)
- OpenAI: API-Änderungsprotokoll und Preise (Englisch)
- Anthropic: Versionshinweise zu Claude (Englisch)
- Microsoft: Partner-Center-Mitteilungen, Oktober 2026 (Englisch)
- SAP: Ankündigung zur TechEd 2026 (Englisch)
- Türkisches Amtsblatt: Grundsatzbeschluss der KVKK zur Kontrolle von Kommunikationskanälen (8. Oktober 2026, auf Türkisch)
- DHA: KI-Statistiken des TÜİK 2026 (auf Türkisch)
- Gazete Oksijen: Das neue Logo Cloud und Logo Edge (auf Türkisch)
- Zeitplan zur Umsetzung der KI-Verordnung der EU (Englisch)
- KOSGEB: KI-Kreditprogramm (auf Türkisch)